Tonarmkabel tauschen
Wiederbelebung eines Graham 1.5
Dont try this at home... nicht, weils unmöglich ist, aber gundsätzlich kann man an einem Graham das Innenkabel nicht tauschen, ohne wesentliche Konstruktionsmerkmale wie das tauschbare Armrohr dauerhaft zu zerstören. Ich bin ausserdem davon überzeugt, dass es mehr Sinn macht, ein Gerät zu verkaufen wenn es nicht gefällt, und es im Originalzustand zu belassen. Diese Umbauanleitung ist also eher als Anregung für Reparaturen gedacht. Mein Graham hatte diese Reparatur nötig - der Vorbesitzer hat den Arm bei einem "Spezialisten" modifizieren lassen, der eine Reinsilber-Verkabelung und ca nen halben Doppelzentner Sanitärsilikon eingebastelt hat. Und wie es natürlich kommen musste, war diese Silberdings vollkommen ungeeignet, ist brüchig geworden und hat den Arm somit unbenutzbar gemacht. Nach insgesamt ca 40 Arbeitsstunden ist der Arm wieder spielfähig. Also bitte- nur am Hifizeug schrauben, wenn man weiss, was man tut.
Vorbereitungen
Ich habe mich beim neuen Kabel für Cardas entschieden, weil es ein sicheres Ergebnis verspricht und sich bei mir schon in anderen Fällen sehr bewährt hat. Da die Originalbuchse für den Tiffanystecker durchbohrt wurde (!!!) um das alte Silberkabel hindurchzuführen, und die Buchse fürs tauschbare Armrohr einer ähnlichen Strapaze mit anschliessender Sekundenkleberschlacht zum Opfer gefallen ist, habe ich mich zur nicht-originalen und bis zum RCA-Stecker durchgehenden Kabelage entschieden. Ausserhalb des Arms muss dieses abgeschirmt und mechanisch stabilisiert werden, wozu ich einen grauen Geflechtschlauch für die Optik und eine textilverstärkte Kunststofftülle gegen Labbrigkeit und Körperschallanregung aus der Bastelkiste geholt habe.
Das "gute" Digitalkabel von Oehlbach hat(te) einen schönen, dichten Schirm und ist für den Elektrojob zuständig. Damit darf es nun wenigstens in Teilen weiterleben...
Den zu entfernen macht wenig Freude, geht aber nach dem ersten versauten Teststück ganz gut. Überhaupt empfehle ich für die ganze Aktion, alle 10 Minuten einfach pauschal auf den Balkon zu gehen und laut Schimpfworte zu schreien, das ist gut für den Blutdruck, der im Laufe der Neuverkabelung deutlich steigt. Der Kupferschirm soll nun in den schicken grauen Mantel, und auf der zukünftigen Steckerseite wird er nach aussen umgeschlagen und mit Schrumpfschlauch fixiert. So gibts dann auch keine Laufmaschen, wenn man die Zugentlastung des WBT NextGen anzieht.
Der Schirm wird in der Basis des Armes mit der Arm-Masse verbunden, die völlig getrennt geführt wird. So bleibt der Signaltransfer vollkommen frei von den "Funktionskabeln", und die Kabelkapazität dieses Eigenkonstruktes wird nicht durch den undefiniert angebrachten Schirm beeinflusst, der ja jetzt nur mit der Erdklemme der Pres verbunden wird und nicht als Signalleiter mitmischen darf.
In der ehemaliigen "Steckerkammer" wirds ganz schön eng: Hier kommen die 4 Cardas-Leitungen vorbei, die zum headshell führen, dazu die Masse des Tonarmrohres und die beiden Schirme einschliesslich des Massekabels. Dafür hatte ich noch ein Stück Red Rose 336. Der Graham hat natürlich keine Zugentlastung für diese Art der Verkabelung, aber die neuen Leitungen sitzen so fest in der Bohrung, dass sie mit der Befestigungsschraube für den alten Steckereinsatz stabil geklemmt werden können. Den Plattenspieler kann man trotzden nicht daran tragen - aber das macht ja eh kein Mensch.
Deshalb kann man einen Graham nicht auseinandernehmen, ohne ihn kaputtzumachen oder die Kabel aus der Basis abzulöten:
Und so siehts dann am headshell aus:
Jetzt müssen "nur noch" Steckerchen dran, diese kleinen fiesen Clips für die Tonabnehmerpins. Auch da nehme ich am Liebsten die Cardas- Dinger, und zwar die billigsten, weil die relativ einfach zu verarbeiten sind und auf alle Tonabnehmer sicher passen. Zum Anlöten braucht man nen kleinen Klops Grey-Tack oder Artverwandtes, ein altes System zum Halten der Stecker und nen guten Lötkolben. Der Rest ergibt sich aus dem Bildchen:
Das schwarze Knetklümpchen dienst dazu, dass die Isolierung des dünnen Käbelchens beim Löten
nicht zu weit abschmilzt, und es eignet sich prima, um ohne verbrannte Fingerkuppen anzufassen.
Kleine Zangen gehen nicht- bei fast allen Kabeln, die ich kenne, klebt die Kunststoffisolierung
bei Erwärmung fest.
Steckerchen dran, Schrumpfschlauch drüber. In der Werkzeugkiste sollte man für solche Zwecke eine Heissluftpistole haben, die kostet fast nix und sorgt für sauber-gleichmässiges Schrumpfen. Offenes Feuer verfärbt den Schlauch schnell hässlich braun. Zur Not geht auch ein Toaster - die Kabel aber bitte nur drüberhalten, und auf keinen Fall gegen die Heizdrähte fallen lassen. Gefährlich.
So siehts fertig aus. Die Einzelteile hab ich vorher schon kräftig geputzt, das alte Silikon abgepult und mit sauberen Fingern zusammengebaut. In die Lagerwanne kommt ein neuer Schluck Silikonöl zur Dämpfung, die Nextgens werden auf den Chinchbuchsen verspannt, und das Schätzchen hat ein neues Leben.
