Raumakustik

Livingloud

Tagebuch eines Audioten. Ähnlich verrückt oder einfach neugierig? Schön.

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Zur Sache, Schätzchen

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Und sonst so?

Immer noch nicht genug? Na von mir aus...

Raumakustik

...wer hört schon im Freien?

Der grösste Anteil der Musik, die wir hören, wenn wir das Sonntags-Hifizeug anwerfen, erreicht unser Ohr als reflektierter Schall. Freche Behauptung, stimmt. Aber die meisten Hörräume produzieren genau dieses Ergebnis, weil Aufstellung und Einrichtung nicht optimal sind und durchschnittliche Hörräume schon aufgrund ihrer Grösse nichts Anderes zulassen. Seltsamerweise hat sich noch immer nicht im Hifiwissen durchgesetzt, dass die Raumakustik einen sehr erheblichen Anteil am Gesamtklang einer Anlage hat. Statt ein paar Absorber zu kaufen oder ein wenig umzubauen, geben viele "Hiender" ihr Geld für zweifelhafte Kabel und Untersetzfüsschen aus. Die Veränderung, die man mit seriösen Tuning - Artikeln hervorrufen kann, sind nicht mit denen vergleichbar, die man mit Optimierung des Hörraumes erreicht. Wo das Problem liegt sich das einzugestehen ist mir schleierhaft.... ist nämlich alles ganz einfach und sogar einigermassen berechenbar. Zunächst ein paar Grundlagen:

Resonanzen

Enstehen einerseits durch alles was mitklappert (dazu unten mehr) und andererseits durch die Luft, die glücklicherweise schwingt, in diesem unglücklichen Fall aber als sogenannte Stehwelle oder Raummode, und zwar, weil das blöde halbe Wellending genau zwischen 2 Wände passt. Normalerweise hat man dieses Problem nur im Bassbereich. Warum? Das kann man schnell herausfinden wenn man mal überschlägt um welche Wellenlängen und Raumlängen es hier geht. Als Beispiel : 50 Hz, 500 Hz, 5 kHz. entsprechen so ca. 6,90m, 69cm, 6,9cm Wellenlänge- ich hoffe, niemand muss sich in einen Kubikmetercubus zwängen, wenn er Musik hören will. Was tun? Wände einzureissen erscheint auf den ersten (und auch 2ten) Blick in den meisten Fällen nicht praktikabel.

Reflektionen

sind ebenfalls material- und frequenzabhängig. Jeder, der schonmal in einem kleinen fast leeren Gästeklo war oder in einer noch leeren Wohnung, weiss, wie seltsam es klingt wenn die Nachhallzeit zu gross ist. Schön ist auch eine Bahnhofshalle. Klingt so "räumlich". Ganz grossartig. Schade nur, dass Sprachverständlichkeit und Ortbarkeit leiden. Das ist auch das Problem im Wohnzimmer: Wenn der Anteil von Diretktschall zu klein wird, mag das auf den ersten "Hör" ein angenehmes Gefühl vermitteln, bei Brahms oder so. Es wirkt auch fast als käme die Musik nicht aus den Lautsprechern sondern von irgendwo anders dahinter. Ist ja auch so. Weil man viel Schall hört, der schon einige Sekundenbruchteile im Raum unterwegs ist, und hier und dort fröhlich reflektiert wird. Und wo steht nun der Trompeter auf der Bühne? Genau, kann man nicht mehr hören. Schade drum, dann kann man auch gleich mono machen und einen Lautsprecher sparen. Ausserdem kann es sehr gut passieren dass der Raum nun grad aus Material gebaut ist das einen bestimmten Frequenzbereich besonders gut reflektiert. Und da haben wir dann den Salat: der teuer erkaufte schnurgerade Frequenzgang der Anlage ist dahin.

Erste Hilfe

Der Raum ist also bis auf die Anlage leer, hat eine wunderbare Fensterfront und Granitfussboden. Find ich ja auch schön. Aber nur bis Musik läuft.... Zur Abhilfe kann man 10 Leute einladen, weil bekleidete (nackte auch, Anm.d.Red.) Menschen hervorragende Absorber sind. Ist auch schön warm im Winter, unter Umständen aber auch nervig/teuer weil die alle essen und trinken wollen. Und aufs Klo. Und quatschen tun die womöglich auch noch. Und Musikgeschmack? Naja. Is´also nix... Also räumt man einen Tepich in den Hörraum, stellt die Lautsprecher weit weg von Wänden und zieht das Lieblingshörsofa einen Meter von der Rückwand weg. Vor die Fensterfront kommen dicke Gardinen die man zuziehen kann, und spasseshalber kann man mal alle auffindbaren Decken, Kissen und Matratzen im Raum verteilen. Gibt aber Mecker mit der Frau... ich hab das also nicht gesagt. Nach dieser Extreme-Feng-Shui-Behandlung sollte man einen sehr deutlichen Unterschied wahrnehmen.

Absorber

wären dann die professionelle Variante. Ausserdem stehen Frauen total auf den heimelig - frischen Gummizellenlook, den so hübsche Schaumstoffplatten ausstrahlen :-) Hoffentlich jedenfalls ein bisschen mehr als auf die ollen Matratzen aus dem Gästebett.

Diffusoren

wird man normalerweise zu Hause nicht benötigen. Ein überbedämpfter Hörraum kommt sehr selten vor. Man könnte aber mit Zimmerpflanzen rumexperimentieren wenn man denn will. Mit vielen Blättern können die das ganz gut.

Bassfallen

Sehr umgangssprachlich, stimmt. Die sind wohl das häufigst benötigte Zubehör, weil viele kleinere und symmetrische Räume im Bassbereich Ärger machen.

Psychoakustik

Das ist ein ganz grosses Thema. Hi-ender sind allerdings ganz besondere Menschen die von diesem Phänomen absolut unbetroffen sind. Menschen sind für die Beurteilung von "sounds" recht ungeeignet. Sehr schnell gewöhnen wir uns an neue akustische Umgebungen, und viele Untersuchungen zeigen, wozu das führen kann. So hat zum Beispiel jemand, der 2 Jahre lang in einem Büro mit lauter Klimaanlage arbeitet, den Frequenzbereich in dem das blöde Ding rauscht, per Software/Gehirn heftig abgesenkt. Erst nach mehreren Jahren ohne dieses Umgebungsgeräusch ist das Gehrn wieder "linear". Das alles ist ja nichts Schlimmes, jeder Mensch ist davon betroffen. Zugeben mag es aber niemand. Weil ja nach 10 Jahren Hifi das absolut perfekte Ohr selbstverständlich ist. Langsam damit.... Das hat kein Mensch. Und das ist kein persönlicher Makel sondern ganz normal.

der neueste hype: Glöckchen, Waschbrett, Rassel

tatsächlich ist es im Moment "in", verschiedene -sagen wir mal- hochprofessionell engineerte Zusatzgeräte einzusetzen, die man fröhlich an die Wand dekoriert, damit die kleinen enthaltenen Klimperglöckchen im Takt der Musik hi-endig und höchstmusikalisch mitschwingen. Ähem. Moment. Gehts hier um HiFi? Wir hören doch eh schon viel zu sehr unseren eigenen Raum und viel zu wenig Originalaufnahme. Das kann ja kaum besser werden, wenn wir mit Zusatzgeräten Oberwellen hinzufügen, die nicht auf der Aufnahme enthalten sind. Bei jedem Krempel geht´s angeblich um Resonanzminimierung, alles wird mit Sand gefüllt, Geräte mit Bitumenplatten beklebt und aus 20mm Alu gebaut damit sie ja nicht schwingen... Platinenecken abrunden ist schick. Kabel werden auf Spezialfüsschen über den bösartig vibrierenden Fussboden geführt. Dämpfungsfüsse sind Hunderte EUR wert, nichts kann schwer genug sein. Und am Ende wird dann vor den Lautsprecher ein Glöckchen geklebt. Kann man sich da selbst noch ernst nehmen? Bevors Missverständnisse gibt; Natürlich machen diese Glöckchen was. Sie schwingen mit und geben dabei auch Geräusche von sich. Eine Akustikgitarre kostet im Dorfmusikladen ab ca. 100 EUR, sieht eleganter aus und hat einen deutlich höheren Wirkungsgrad, wenn sie mit einem langen Nagel an der Wand befestigt wird. Auch das möchte ich in meinem Hörraum nicht haben. Weil ich die Platte/die aufgezeichnete Musik hören will, und so wenig Fremdeinflüsse wie irgend möglich.

Anleitung zum Absorberbau

Wir wolln ja nicht nur reden, sondern besser hören. Dazu gibts natürlich ganz einfache Anleitungen zum Selberbasteln. Original von Michi, ganz kostenlos. Huh! Jaja, ist ja schon gut. Absorber

gibts hier. Und wenn Ihr das artig durchgelesen habt, kommt danach noch eine Anleitung für Bassfallen. Ehrlich.