Tonabnehmerjustage Standard
...für den alten Dual, Thorens,Telefunken, usw.
Diese Anleitung führt bei Beibehaltung der Reihenfolge und etwas Sorgfalt zu einem brauchbaren Ergebnis. Bitte vorsichtig sein. Nadeln stehn total auf Pulloverbündchen und versuchen pausenlos, sich dauerhaft in ihnen zu verheddern.
Auflagegewicht
Ganz wichtig: lieber etwas zuviel als zu wenig. Wenn die Nadel anfängt zu hüpfen, gibts Löcher in der Platte. Schade drum. Aktuelle Systeme laufen im Bereich von 1,8 - 2,2g. Natürlich gibts Ausnahmen wie ein SPU oder ein V15-VI. Einstellen sollte man das Auflagegewicht mit einer Waage. Von Ortofon gibts ein sehr preisgünstiges kleines Gerät, dass ausreichend gut funktioniert. Der ambitionierte Plattenfreund wird sich vermutlich mindestens das Modell von Shure besorgen wollen. Von der Verwendung der Skalen an Balancegewichten oder Armauslegern rate ich ab. Wenns nicht anders geht, ist üblicherweise angedacht, den Arm mit dem Gegengewicht in Waage, also ins Schweben zu bringen. Dann kann man den Skalenring am Gegengewicht verdrehen, bis die "0" oben erscheint. Und jetzt: vorsichtig das komplette Gegengewicht auf den Wunschwert einstellen.
VTA
Mit dem Vertical Tracking Angle ist der richtige Eintauchwinkel der Nadel gemeint. Kann man machen, schön ist es wenn man am System erkennen kann wie die Nadel steht und sich an der Unterkante des Systems oder sogar am headshell orientieren kann. Die richtige Auflagekraft muss natürlich vorher gewählt werden. Mit richtiger oder auch absichtlich falscher Einstellung kann man ganz erheblich die Klangbalance beeinflussen. Weniger Höhen? Mehr Bass? Bitteschön, ausprobieren. Aber bitte in kleinen Schritten.
Azimuth
Damit vor allem bei scharfen Nadelschliffen die Platte nicht zerschnitten wird, und die Abtastung rechts/links gleichlaut erfolgt ist es wichtig, dass die Nadel genau senkrecht in der Rille steht. Dazu wird oft ein Spiegel empfohlen, den man auf den Plattenteller legt und die Nadel darauf absenkt; genau hingucken geht aber auch. Bei vielen Armen ist es tatsächlich so, dass Azimuth und VTA zusammenhängen, denn wenn die Rohre stark gekröpft (gebogen) sind, verdreht man das headshell beim Absenken und Anheben des Armes. Der SME 3009 ist da zum Beispiel ein Kandidat... wenn die Kröpfung direkt ins headshell und damit auf Lagerachse gelegt wird, fällt das fast weg. Also aufgepasst - und nach der VTA-Einstellung nochmal kontrollieren. Wenn der Azimuth nicht einstellbar ist, ist damit der VTA also fest vorgegeben. Warum es immer noch J- oder S - förmige Arme gibt? keine Ahnung.
Kröpfung und Überhang
Damit meint man nicht nur einen Knick im Rohr, sondern allgemein eine Drehung des Tonabnehmers gegenüber der imaginären geraden Linie von Armdrehpunkt bis Nadelspitze. Manchmal ist die fest vorgegeben, in vielen headshells kann man aber in den Langlöchern den TA verdrehen. Gut so. Denn damit stellen wir die Nulldurchgänge und den Überhang ein. Jetzt gehts um die Wurst, denn mit Kröpfung und Überhang steht man nicht nur vor der fummeligsten sondern auch der wichtigsten Einstellarie. Ich hab ja schon gesagt, dass man eine Platte mit einem handelsüblichen Tonarm nur an 2 Stellen korrekt abtasten kann. Und genau die werden wir jetzt mal einstellen. Macht man sinnvoll mit einer Schablone. Ohne wirds kaum gehen. Normalerweise justiert man 2 Nulldurchgänge und legt diese so, dass die Verzerrungen über die gesamte Platte möglichst gering sind. Die Gedanken darüber haben sich glücklicherweise schon viele schlaue Menschen gemacht, die sich alle nicht völlig einig waren, wohin diese Nullpunkte genau gehören. Das ist dann auch der einzige Unterschied zwischen den Schablonen, die meistens nach den Errechnern derselben benannt sind. Ich halte mich an Herrn Baerwald, sehr verbreitet ist auch IEC. Die Unterschiede sind nicht gigantisch. Bewährt hat es sich, gerade Kanten des Tonabnehmergehäuses mit einer Druckbleistiftmine zu verlängern. Kann man zum Beispiel vorsichtig mit Tesa ankleben. Damit kann man dann wirklich genau erkennen, wie gut man bei Einbau die Nulldurchgänge getroffen hat. An dieser Stelle sollte man sich von der Idee verabschieden, dass das System hübsch grade ins Headshell gehört. Es ist durchaus die Regel, dass man das gute Stück "schräg" montieren muss, weil es keine gemeinsame Regelung über den Abstand von Montagelöchern und Nadelspitze gibt.
Antiskating
Bei der Abtastung der LP wird der Tonabnehmer/Arm von der Plattenrillenseitenwand permanent in Richtung des Mittelpunktes gedrückt. Um das zu kompensieren und damit Verzerrungen und einseitiger Abnutzung des Diamanten vorzubeugen kann man bei fast allen Armen diese Kraft kompensieren. Die Tonarme haben dafür entweder ein kleines Stellrädchen mit Skala oder ein kleines Gewicht, dass lustig an einem Fädchen hin - und herbaumelt. Bei Stellrädchen ist es recht einfach, wenn man den Angaben des Herstellers vertraut. Üblicherweise stimmt der Skalenwert zumindest ungefähr mit der eingestellten Auflagekraft überein. Also: 2g Auflagekraft = Antiskatingskala 2 Bei kleinen Gewichtchen an noch kleineren Tüddelbändchen kommt man ohne Anleitung oder Testplatte nicht viel weiter. Beides kommt nicht in Frage? Dann nimmt man eine alte Opernplatte, sucht die Stelle, an der der weibliche Protagonist am stärksten nervt, und probiert so lange, bis die Stimme aus beiden Lautsprechern gleich wenig verzerrt. Das kann dauern. Und nerven ;-)
und jetzt?
Nochmal kurz das Auflagegewicht prüfen, falls es versehentlich verstellt wurde - und dann: Musik höräään, denn darum gehts ja. Wer mehr rausholen will, kann gleich weiterlesen.
Einstellung Hardcore
Für den fortgeschrittenen Bastler mit gut gefülltem Werkzeugkoffer. Hier gehts darum, viel Zeit mit Zehntel-Millimetern zu verbringen, um Alles aus dem neuen Tonabnehmer rauszuholen. Plattenpieler- Justage für Extremisten
