Voll symmetrisch! AQVox Phono 2 CI
Aus dem ars! Magazin 3.05
Überraschungen gibt's... Mir war schon immer unklar, warum das Signal von MC-Tonabnehmern, die ja erdfrei symmetrisch arbeiten, nicht vollständig genutzt wird. In hässlichen kleinen RCA-Steckern verschwindet fast wie zufällig eine Signalhalbwelle über die Gerätemasse des Phonoverstärkers... schade drum. Symmetrische Phonoverstärker sind bisher selten und exotisch teuer.
Bei mir im Hörraum steht seit 3 Wochen eine AQVox Phono 2CI. Vollsymmetrischer Eingang, vollsymmetrischer Ausgang und eine wirklich komplett symmetrische Schaltung - kein Schummeln damit man eine hübsche XLR-Buchse unterbringen kann. Natürlich funktioniert die AQVox auch unsymmetrisch mit RCA-Signalen. Aber das wollen wir ja gar nicht so gern... Im Falle der symmetrischen Ansteuerung "regelt" sich nämlich die erste Verstärkerstufe völlig selbständig auf den Generator des Tonabnehmers ein. "Current injection" nennt der Entwickler sein Schaltungsprinzip, das erfreulicherweise ohne OP-Verstärker auskommt. Und das funktioniert sogar richtig gut. MCs verschiedener Ausgangsspannungen fühlten sich hoerbar wohl an dem hübschen Studiogerät. Benz LP, Benz Wood, Benz Ace, Dynavector, Empire,...völlig preisklassenunabhängig zeigt die AQVox was in dem jeweiligen System steckt. Klanglich sehr neutral abgestimmt - nicht kalt, nur eben einfach ohne einen -wie auch immer speziellen- Sound, wirkt das Gerät grundehrlich.
Wenn man es ernst meint: Tonarmstecker umverkabeln. Oder richtiger: Tonarmkabel umversteckern. Mit XLRs von Neutrik sind ganz nebenbei auch die Steckerdiskussionen beendet. Dank der symmetrischen Übertragung gibt's kein Brummeinstreuungsproblem mehr, keinen Radioempfang wenn die Kapazität des Kabels nicht zum Preamp passt, keine Störungen durchs Handy auf dem Wohnzimmerregal.
Auch im Falle einer unsymmetrischen Ansteuerung lässt sich die 2CI nicht lumpen: per Mäuseklavier auf der Rückseite je Kanal getrennt anpassbar, Verstärkungsfaktor mehrstufig schaltbar, und zu all dem gesellen sich auf der eleganten Vorderseite ein schaltbarer subsonicfilter (danke! Es gibt nunmal Platten bei denen das Sinn macht) und eine kanalgetrennte Lautstärkefeinregelung. Und völlig egal wie laut Sie den Lautstärkeregler an Ihrem Verstärker auch drehen: Es herrscht Totenstille. Die Aqvox rauscht einfach nicht.
Klanglich eine Offenbarung: Dynamisch wirkt sie nahezu unbegrenzt, und völlig detailliert zeigt sie auch die Kleinigkeiten jeder Aufnahme auf, ohne die Musikstücke zu sehr zu sezieren. Die sagenhafte Kanaltrennung resultiert in einem wunderschön aufgespannten Stereobild, tiefste Bassattacken und fisselige Becken, Sinfonien und E-Gitarren...egal, was man auflegt, die AQVox ist dabei als würde es ihr Spass machen. Stimmen stehen perfekt im Raum, der Fuß des Gitarristen klopft direkt vor mir gegen den Mikrofonständer,...
Ich habe Macken gesucht, ganz ehrlich. Ich habe nach Gründen gesucht, wegen denen die AQVox eine Stelle weniger auf dem Preisschild hat als man von Klang und Ausstattung erwartet. Ich habe nichts gefunden. Egal, welche LP ich aufgelegt habe... die Präzision und die Klangfarbendetails überraschen bei jeder Platte von Neuem. Das Schönste: dieses Schätzchen gibt's schon für 600 EUR. Hören Sie es sich an - bei hoerbar ist es jederzeit vorführbereit.
