
Livingloud
Tagebuch eines Audioten. Ähnlich verrückt oder einfach neugierig? Schön.
Zum Nachlesen:
Zur Sache, Schätzchen
Keine Lust auf langes Gesabbel? Direkt zum Wesentlichen gehts hier:
Und sonst so?
Immer noch nicht genug? Na von mir aus...
Absorber
Jetzt wirds heimwerkelig
Wer nicht weiss, was das soll, sollte mal auf Raumakustik klicken
und hinterher wiederkommen.
Was wir brauchen: Basotec. Das ist der "Rohstoff" für viele Industrieanwendungen, in kleinen
Mengen ist es für Privatkunden aber praktisch nur bei Fast erhältlich.
Bitte keine billige Kopie nehmen - das echte Basotec von Illbruck ist schadstofffrei, mineralstofffrei
und schwer entflammbar. Das halte ich für noch wichtiger als Einhaltung der zugesicherten
akustischen Eigenschaften. Bei Fast gibts die Dinger mit Stoffbezug. Das passt nicht immer in
die Einrichtung und hat einen weiteren Nachteil: Auch die dünnen Platten können sehr wohl
im unteren Frequenzbereich wirken, wenn der Wandabstand erhöht wird. Die Fast-Variante mit
Klettbefestigung direkt auf der Wand nutzt also nicht das volle Potential des Materials aus.
Ausserdem empfiehlt es sich nicht für Aussenwände in Altbauten oder Kellern, weil sich dahinter
schnell Schimmel bildet. Statt der Stoffbezüge bauen wir also einen Holzrahmen, der sich mit
variablem Abstand vor der Wand montieren lässt.
Ich hatte aus alten Zeiten noch nen Haufen Basotec mit Pyramidenoberfläche. Ich finds sogar
ganz hübsch, grade wenn man ein wenig retro-mässig eingerichtet ist passt es super.
Muss ich eigentlich wirklich erklären, wie man aus 4 Latten ein Rechteck zusammenklebt?
Eigentlich reicht doch da ein Foto... :-)
Wenn man keine Lust auf Holzdübel hat, empfiehlt sich eine Rosettenscheibe (wer hat sich bloss
den Namen ausgedacht?) unter den Spax-Köpfen. Sieht einfach netter aus.
In den Rahmen wird dann die Basotec-Platte eingeklemmt und mit einem schmalen Streifen Silikon
festgeklebt.
Wandbefestigung:
Für die Anwendung hinter dem Hörplatz liegen meine Rahmen an der Unterkante auf 2 Haken / in 2
Ringschrauben. Oben ist ne kleine Kette mittig befestigt, mit der man den Winkel einstellen kann.
Ausserdem isses so am Einfachsten, die dahinter wohnenden Spinnen...und so.
Seitlich der Lautsprecher muss man sich schon ein wenig mehr Mühe geben. Hier bieten sich z.B.
4 kleine Aluröhrchen an, die man über lange Spaxe schiebt, damits nicht allzu bastelig aussieht.
Mit Aufhängebeschlägen (Baumarkt) wirds dann sogar richtig nett. Das gesamte Konstrukt wiegt nicht
viel, um die Stabilität muss man sich also keine Sorgen machen.
Wer unbedingt Geld sparen will, kann auch versuchen, Lautsprecher-dämmwolle zu benutzen, und in den
Holzrahmen beidseitig eine luftdurchlässige Stoffbahn zu tackern. Das funktioniert sicherlich auch,
ist aber nicht so vorhersehbar wie Basotec.
Anordnung
Damit sich die Beizflecken im guten Teppich, der Schleifstaub in der Nase und die abgesägte
Fingerkuppe auch gelohnt haben, müssen die Absorber an strategisch sinnvollen Stellen angebracht
werden. Worum gings? Für die, die zu lange am Holzleim geschnuppert haben, eine kleine Erinnerung:
Wir wollen mehr Direktschall aus den Lautsprechern und weniger Krempel von den Wänden hören.
Die ersten 2 fertigen Kunstwerke dürfen also an den Wänden neben den Lautsprechern hängen,
ungefähr ab Vorderkante Schallwand, idealerweise bis zu dem Punkt, an dem man den Lautsprecher im
Spiegel sehen könnte, wäre denn der Absorber ein solcher. Das Schlimmste wäre damit erledigt.
Darüber hinaus sehr sinnvoll ist es, hinter dem Hörplatz weitere Zauberteilchen aufzuhängen.
Ich habe meine parallel zur Raumdecke angebracht, wo sich das Schalldruckmaximum im Bassbereich
am Liebsten aufhält, und die Rahmen angewinkelt, um den Wandabstand zu erhöhen. Sieht auch am
Nettesten aus.
Einrichtung
Was sollen denn die Nachbarn denken? Wie sieht denn das aus? Tja. Mir ist es ganz und gar nicht
egal, wies zu Hause aussieht, im Gegenteil. Aber dass sowas nicht in allen Umgebungen machbar ist,
kann ich mir vorstellen.
Was immer hilft (und auch bei 4 Absorbern nötig ist, die können nämlich keine Wunder vollbringen)
ist eine vollständige Möblierung. Regale mit Platten müsen ja eh sein, ein dicker Teppich und ein
schweres Sofa sind auch sinnvoll. Schwere Gardinen helfen immer.
Diese Dinge kann man auch gut "tunen": Gardinen kann man rückseitig mit Steppwatte belegen lassen,
dann machen die jeden Hochton tot, der ihnen in die Quere kommt. Hinter Plattenregalen kann man
natürlich auch Absorber verstecken, das nutzt aber nur, wenn diese nicht so vollgestopft sind, dass sie
quasi luftdicht zur Rückwand sind. Hinter grosse Bilder passt Basotec ebenfalls.
Und was bringt das überhaupt?
Flächenabsorber wie die, die wir heute gebastelt haben, wirken vornehmlich im Mittel/Hochtonbereich
Wir reduzieren frühe Reflektionen an den Wänden unseres Hörzimmers, hören also mehr direkt
aus dem Lautsprecher. Dadurch kann unser Gehirnchen viel besser die Akustik des Aufnahmeraums
zusammenbasteln, und wir haben einen deutlich präziseren Eindruck davon, wer vorn links auf
der Bühne stand und in welcher Reihe der Idiot sass, der ständig husten musste. Ähem. Das heisst
auch, dass in vielen Fällen ein falsches Gefühl von Räumlichkeit verschwindet, dass unser nackter
Hörraum vorher gezaubert hat. Am Anfang wird man sich also etwas umgewöhnen müssen.
Ärger im Bassbereich reduzieren wir damit kaum. Dafür benötigt man einen anderen Absorbertypen,
und wie man den baut, lernen wir auf der Seite
Bassfalle.